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Newsletter März 2010

 





Abenteuer und Adrenalinkick pur

"Onto Thin Ice" – Auf dünnem Eis
by Max Arndt

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Lydia sticht mit ihrer Eisaxt in den weichen, nassen Schnee. Nach einigen Versuchen sinkt der gesamte Schaft der Eisaxt durch die Schneedecke. Lydia dreht sich zu mir um. Gefunden.
Jetzt kann ich es auch sehen: Eine Gletscherspalte etwa einen halben Meter weit, unsichtbar unter einer dünnen Schneeschicht.

In solchen Momenten bin ich glücklich, mit einem so erfahrenen Bergführer wie Lydia unterwegs zu sein. Lydia treibt ihre Eisaxt auf der anderen Seite der Gletscherspalte in den Schnee, macht einen großen Schritt und überquert das Hindernis. Seit zwei Tagen bin ich jetzt schon mit Lydia, die bereits zweimal Mount Everest bestiegen hat, unterwegs.

Eine Reise, die in Wanaka, einer sehr europäischen Stadt im Zentrum der Südinsel begann, uns an die Westküste in die kleine Stadt Fox und schließlich auf den mächtigen Fox Gletscher geführt hat. Eine Reise, die ich schon lange geplant hatte und die schließlich in die Tat umgesetzt wurde: Ein fünftägiger Bergbesteigungskurs in den Southern Alps.

Als großer Fan vom Bergsteigen waren unter anderem die Südlichen Alpen in Neuseeland einer der Gründe gewesen, das Auslandsjahr hier zu verbringen. Die Alpen sind auch an vielen Stellen in "Herr der Ringe" zu sehen.

Zusammen mit Lydia habe ich eine Route ausgesucht. Allerdings wurde mir von meiner Bergführerin immer wieder eingeschärft, dass alles vom Wetter abhängt. Dieses ist in Neuseeland sehr  wechselhaft und kann vor allem in den Bergen zu einer Gefahrenquelle werden. Der Plan war, auf die Spitze eines der größten Gletscher Neuseelands zu fliegen und dort einige Spitzenzu besteigen, alles über Gletscherbesteigungen zu erlernen, das Hauptgefälle (the main divide) zu besteigen und schließlich sicher den gesamten Gletscher hinunter zu wandern.

Am frühen morgen nahmen wir einen Helikopter, um auf den Gletscher zu fliegen. Es war mein erster Hubschrauberflug und somit ziemlich spannend. Wir wurden auf etwa 2.700 m Höhe an der höchsten Hütte des Fox Gletschers, der Pioneers hut, abgesetzt.

Am selben Tag erklärte mir Lydia die Grundregeln von Gletscherbesteigungen und wir gingen auf unsere  erste Tour. Lydia und ich waren durch ein Seil verbunden. Ich musste vorlaufen, damit Lydia mich stoppen konnte, falls ich auf eine Gletscherspalte treffen sollte. Allerdings verlief alles sehr gut. Die Sonne schien, es war harte Arbeit und ich lernte eine Menge.

Der Plan für den nächsten Tag war Aufstehen um 2 Uhr morgens und Aufbrechen um 3 Uhr, um den Frost in der Nacht auszunutzen. Wir wollten den main divide besteigen. Das Massiv aus Eis und Stein, das die Grenze zwischen Neuseelands West- und Ostküste bildet.

Die Bedingungen waren schlechter als erwartet, zwar gab es eine dünne Eisschicht, auf der man vorsichtig laufen konnte, allerdings brach man jede 3 Schritte durch sie hindurch und sank in den Schnee ein. Trotz dieser schlechten Bedingungen machten wir gute Fortschritte.

Bei Gletscherbesteigungen geht es vor allem darum, sichere Wege zu finden. Durch das Schmelzen der großen Gletscher werden mehr und mehr Gletscherspalten aufgerissen und alte wachsen und wachsen immer weiter. Manchmal muss man eine halbe Stunde parallel zu einer Gletscherspalte laufen und warten, bis sie eng genug wird, um sie sicher zu überqueren.

Um 6 Uhr erreichten wir vollkommen verschwitzt das erste Stück, bei dem es richtig ans Klettern ging. Lydia kletterte jedes Mal etwa 25 Meter ungesichert vor, um dann das Seil fest zu machen. Nach etwa einer Stunde war der Aufstieg geschafft. Wir standen auf dem main divide und konnten weder Ost- noch Westküste sehen. Wir waren in einem so genannten White out - einer Wolkenschicht.

Um etwa 11 Uhr waren wir zurück im Camp. Total erschöpft und müde.

Nachmittags lernte ich wieder einige Grundregeln. Zum Beispiel wie man einen Anker baut, um als zweite Person die erste Person zu sichern.

Am nächsten Tag wollten wir den Abstieg wagen, da für den Tag darauf schlechtes Wetter angekündigt war und wir kein Risiko eingehen wollten.

Wir mussten also wieder früh aufstehen. Das erste Stück war nur weicher Schnee, als wir allerdings die Compression zone des Gletschers erreichten, waren die Bedingungen plötzlich sehr gut. Ich nehme an, dass das an dem scharfen Wind liegt, der den Schnee abkühlt und gefrieren lässt. Wir konnten einfach auf der Eisschicht laufen. Die Spalten in der Compression zone waren durch die Schneemassen zusammengedrückt worden, so dass man einfach über sie hinwegsteigen kann.                                                               
Der Abstieg war leicht und landschaftlich überragend. Das letzte Stück schließlich war nur noch ein  Wanderweg.

Am letzten Tag meines Kurses besuchten wir eine Kletterwand in Wanaka und fuhren danach in den Mount Aspiring Nationalpark, um Rock Climbing und Abseiling zu trainieren.

Alles in allem würde ich diesen fünftägigen Kurs als eines meiner bisher besten Erlebnisse in Neuseeland beschreiben. Ich habe so viel gelernt, hatte beste Gesellschaft mit Lydia und jede Menge Spaß und Herausforderung auf einem der großen Gletscher der Südlichen Hemisphäre.

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